CGM

CGM als das Ei des Kolumbus ?!?

Immer mehr Typ 1er tragen eines der wenigen bislang erhältlichen Kontinuierlichen Glucose- Messsysteme. Und auch das Wissen darüber verbreitet sich immer weiter, was ich nur begrüße denn meine meiner Meinung nach ist Information eines der wichtigsten Dinge bei einer Krankheit.

Dennoch muss ich mich mehr und mehr auch wundern. In manchen Facebook- Gruppen fragen Leute nach dem besten Anwalt, der Ihnen die Bewilligung auf ein solches System bei der Krankenkasse durchboxt, haben sich ansonsten aber scheinbar noch überhaupt nicht mit dem Thema beschäftigt.
Was scheinbar zu allen durchdringt: Ein CGM misst rund um die Uhr deinen Blutzucker. So weit so gut. Für viele scheint dass aber dann tatsächlich sowas wie eine Lösung für alle Ihre Probleme zu sein. Ich hab mit Menschen geschrieben, die haben seit x Jahren keine Schulung mehr besucht, wissen nicht wie ein Basalratentest funktioniert und haben vor allem keine Lust auf das Blutzuckermessen.

Hm. Und jetzt soll doch die Kasse den Sensor bezahlen, weil dann haben sie auch endlich einen „guten“ HbA1c.

Soweit die Theorie. Die Praxis sieht in der Regel aber total anders aus. Ich selbst habe meinen Medtronic- Sensor zwischendurch immer mal wieder in den Urlaub geschickt, nämlich dann, wenn er mir einfach auf den geist ging. Nachdem ich 3 Wochen lang keine Nacht länger als zwei Stunden am Stück geschlafen hatte.
Klar, warum der Ärger: Weil meine Werte nicht stabil waren. Dann macht der Sensor alarm. So wie er es ja auch tun soll. Und dann ist es mein Job, mit diesem Alarm umzugehen. Und im Idealfall meine Einstellung zu verbessern.
Was aber eben den meisten nicht klar ist, ist der Aufwand, den so ein Sensor eben auch bedeutet. Ich MUSS micht nämlcih plötzlich mit diesen ganzen Werten auseinandersetzen. Wenn ich nicht messe, weil ich es nicht ertragen kann diese ganzen hohen Werte zu sehen, dann wartet mal ab, bis der Sensor euch auf einmal rund um die Uhr diese schlechte Einstellung vor Augen führt.

Ich will nicht falsch verstanden werden: Ich liebe meinen Sensor! Umso mehr, dass er in meinen Oberam implantiert ist und ich kein nerviges Pflaster habe, was abfalle könnte. Und er ist ultra genau. Ich habe dank dem Sensor meine Werte total verbessern und meine ganze Einstellung optimieren können.
Aber es war verdammtnochmal ein Haufen Arbeit! Und wenn meine Studie abläuft, muss ich mir Gedanken dazu machen, ob ich bereit bin, meinen Sensor weiterhin wie vor der Studie selbst zu finanzieren.

Ich bin auch definitiv dafür, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen, aber nur für Leute, die auch in der Lage sind, mit so einer unbestritten teuren Technik umzugehen. Ich will selbst einscheiden, ob ich einen Sensor will oder nicht. Aber bestimmt Kriterien, welche mal im Vorfeld erfüllen muss, sollten schon sein. Zum Beispiel sollte eine ganz regelmäßige Schulung Pflicht sein!

Von dem Traum mit dem „kein Blutzucker mehr messen“ sollte man sich eh verabschieden. Gerade in der Anfangszeit misst man eher noch mehr, man muss sich schließlich auch erstmal an den Sensor gewöhnen.
Wenn man keinen Sensor hat, bleibt einem immer die Wahl, ob man jetzt gerade seinen Blutzucker messen möchte, oder nicht. Der Sensor deckt das alles auf, und dann muss man in der Regel auch eine von vielen Handlungsoptionen wählen.  Der Diabetes ist durch den Sensor bei mir viel stärker präsent, ich kann jederzeit den Wert ablesen, den Trend analysieren. Und zwischendurch immer mal ein Alarm. Das alles zusammen beschäftigt den Kopf ganz schön.

Wer also einfach keinen Bock hat sich um seinen Diabetes zu kümmern (und das ging mir selbst ja auch ganz viele Jahre lang so 😀 ) der sollte einen Sensor zumindest ersteinmal Probe tragen und sich ausführlich informieren. Und dann kann man sich entscheiden, ob man an seiner Haltung etwas ändern möchte oder nicht. Erst dann macht ein CGM aus meiner Sicht wirklich einen Sinn.

 

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