CGM

Q&A Eversense CGM

Ich trage seit August 2017 das CGM- System Eversense, welches von Roche vertrieben wird.
Immer wieder erreichen mich Fragen und ich fasse euch jetzt einmal die am häufigsten gestellten zusammen.
Info: Ich habe 6 Sensoren eingesetzt bekommen, 5 wurden wieder entfernt (einer sitzt halt noch ;))

(Disclaimer: Diese Antworten spiegeln meine eigenen, subjektiven Erfahrungen wieder. Das System wird seit August 2017 von meiner Krankenkasse bezahlt, ich habe keinen Vertrag mit Roche und teile hier meine persönliche Meinung und Erfahrungen mit euch.)

EversenseTransmitter mit Sportpflaster

Frage: Tut das Einsetzen weh? Ist das schlimm?
Antwort: Ob man den Eingriff als „schlimm“ empfindet oder nicht, ist vermutlich sehr subjektiv. Ich persönlich finde es nicht schlimm. Es ist etwas unangenehm, es ist mit zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden.
Zum Thema Schmerzen: Die Stelle am Oberarm wird vor dem Eingriff mit einem lokalen Anästhetikum betäubt. Bedeutet: Mit einer Spritze wird ein Medikament mit mehreren Stichen unter die Haut gestochen. Und um ehrlich zu sein: Ja, das tut weh. Das Medikament brennt (ich finde sogar, ziemlich stark). Meistens sind es bei mir 30 Sekunden, in denen ich es wirklich nicht schön finde, danach beginnt die Betäubung zu wirken und man merkt wie die Stelle am Arm warm und taub wird. Vom restlichen Eingriff spürt man dann in der Regel gar nicht mehr, besonders der Hautschnitt ist nicht zu spüren. Was man merkt ist, wie die Hauttasche für den Sensor angelegt wird, wenn die Betäubung richtig sitzt ist dies aber nicht schmerzhaft, man spürt nur die Bewegungen.
Um ganz ehrlich zu sein: Ich hatte es bis jetzt 2 mal, dass ich doch bei diesem Schritt Schmerzen hatte. Einmal haben wir dann noch etwas Betäubung nach gespritzt.

Frage: Und wenn der Sensor liegt, spürt man ihn dann noch? Tut er zwischendurch weh?
Antwort: Meine Sensoren konnte man bislang alle sehr gut durch die Haut hindurch tasten. Wenn man mit den Fingern an der richtigen Stelle leicht tastet, spürt man ihn wie eine kleine Kapsel unter der Haut. Weh tut das nur, wenn man wirklich sehr stark dran herumdrückt oder ihn absichtlich versucht hin und her zu bewegen. Ansonsten spüre ich aber wirklich gar nichts von meinem kleinen Begleiter, insgesamt ist der Sensor aber auch nur etwas mehr als 1 Zentimeter lang und sobald alles verheilt ist, wird er quasi einfach ein Teil von mir.

Mein Fazit: Es ist ein Eingriff. Es blutet, es ist nicht ganz schmerzfrei, aber durchaus gut auszuhalten. Wer Panik vor medizinischen Eingriffen hat, sollte was anderes wählen. Ansonsten konzentriere ich mich einfach auf das Ziel, ich will ja dieses System. Ich stelle es mir ähnlich bei einem Tattoo oder Piercing vor: Tut auch weh, will man aber so. Wenn dieser Eingriff fertig ist, habe ich nach der Heilung für die komplette Laufzeit meine Ruhe und muss mich nicht groß drum kümmern.

Frage: Wie genau ist das Eversense?
Antwort: Um eine wissenschaftliche Auswertung der Genauigkeit zu erhalten, bitte bei Roche melden 😉
Für mich persönlich (und demnach subjektiv!): Die meiste Zeit sind meine Sensoren supergenau! Ich habe oft Abweichungen kleiner als 15mg/dl. Natürlich sind diese höher, wenn die Werte gerade stark schwanken, insgesamt kommt das System bei mir aber gut hinterher, die Verzögerung ist gering. In den ersten Tagen kann es zu größeren Abweichungen kommen, bei mir galt bislang: Je länger der Sensor liegt, desto genauer wird er.
Im Vergleich zu anderen Systemen: Ich habe die Sensoren Dexcom G5 und G6 parallel zum Eversense getragen, hier waren sich beide Systeme meistens absolut einig. Die Genauigkeit ist für mich bei beiden sehr sehr hoch, einen Unterschied habe ich in der Testphase nicht feststellen können. Im Vergleich zum Libre: Hier hatte ich Libresensoren, die sehr genau liefen, andere waren allerdings die Katastrophe. Lässt sich allgemein also schlecht sagen.

So ungefähr sehen meine blutigen Werte im Vergleich zum Sensorwert eigentlich recht häufig aus.

Frage: Muss man Kalibrieren? Kann man Kalibrieren?
Antwort: Man muss. Alle 10-14 Stunden möchte der Eversense einen blutigen Wert haben, ansonsten hat man nach 14h keine Werte mehr. Finde ich immer etwas nervig, gerne könnte er weiter Werte anzeigen mit einem Hinweis „Kalibrierung überfällig, Vorsicht“ oder ähnlichem.
So passiert es mir leider manchmal, dass ich im Arbeitsstress eine Kalibrierung verpasse und dann „blind“ bin.
Grundsätzlich finde es allerdings wichtig, dass man Systeme kalibrieren KANN! So kann ich Ungenauigkeiten feststellen und beheben.

Frage: Bleiben Narben zurück?
Antwort: Definitiv ja. Es wird ein Hautschnitt von knapp 6-8mm gemacht, dieser verheilt, ohne genäht werden zu müssen. Aber auch nach 18 Monaten sieht man die Narben noch deutlich. Sie verblassen, werden heller und ich bin ziemlich sicher, dass sich über die Jahre nur noch schwer erkennen lassen wird, wo ein Schnitt gesetzt wurde. Aber ja, Narben bleiben zurück.

Nahaufnahme meiner ersten „kompletten“ Narbe. Deutlich zu sehen der 2. Schnitt für die Entnahme.
Bei leichter Sommerbräune bleibt die Pflasterstelle natürlich hell
2. Narben übereinander, unterschiedlich alt. Die Rötung kam vom Transmitter ablösen kurz vorher.

Frage: Wie lange dauert es, bis die Schnitte verheilt sind?
Antwort: Die Schnitte werden verschlossen mit solchen Klebestreifen, es wird also nicht genäht. Ich versuche die Streifen für 5-7 Tage auf der Haut zu lassen, oft lösen sie sich jedoch schon etwas eher. Bislang war nach 5 Tagen die Haut immer schon geschlossen, nach spätestens 10 Tagen war alles verheilt. Ist aber vermutlich bei jedem unterschiedlich.

Dies sind die SteriStrips, mit denen die Wunde verschlossen wird. Die halten meist 5-7 Tage bei mir.

Frage: Tut das nicht weh, wenn die Betäubung nachlässt?
Antwort: So sehr es mich selbst auch immer wundert: Nein, bei mir schmerzen die Schnitte nach dem Eingriff nicht. Wenn ich auf dem Arm liege, fühlt es sich manchmal an, als liege ich auf einem blauen Fleck, vor allem wenn der Transmitter gegen die Stelle gepresst wird. Aber wirklich Schmerzen habe ich gar keine. Ich fahre auch im Anschluss an den Eingriff direkt 80km mit dem Auto nach Hause, gehe am nächsten Tag wieder normal arbeiten. Alles kein Problem. Nur auf Schwimmen und Sport im Wasser verzichte ich die erste Woche, beim Duschen achte ich darauf, Folienpflaster zu verwenden, damit die Schnitte nicht nass werden. Dies aber meist nur die ersten 3-4 Tage.

Frage: Warum zur Hölle tut man sich das an?
Antwort: Weil ich es genial finde, mir keine Sorge um Pflaster oder vorzeitig abfallende Sensoren machen zu müssen. Weil es es super finde, meinen Transmitter einfach abnehmen zu können, wenn ich zb Duschen gehe. Weil ich nicht irgendwelche zusätzlichen Fixierungen zuschneiden muss, die bei mir dann doch immer nicht gehalten haben.
Insgesamt ist der Tragekomfort für mich richtig gut! Der Transmitter ist von der Grundfläche her nicht wirklich klein, aber dafür schön abgerundet und flach, sodass ich bislang noch nie irgendwo (BH- Träger, Rücksack…) hängengeblieben bin.

Größenvergleich Eversense vs. Freestyle Libre

Zudem finde ich die Idee, den Sensor unter der Haut zu tragen irgendwie sehr futuristisch und vielleicht möchte ich einfach auch sehen, wie sich dieses System weiter entwickelt.

Größenvergleich einer Pennadel und dem Sensor, welcher unter der Haut getragen wird.

Frage: Was nervt so richtig am Eversense?
Antwort: Was mich persönlich nervt ist die mangelhafte Weiterentwicklung der Software. Ich nutze ein AndroidSmartphone, die App fürs Eversense hat in 17 Monaten 1 Update bekommen, nach wie vor gibt es keine Widget-Option und keine Smartwatch- Anbindung. Die versprochene FollowerApp ist bislang nur für iOS erschienen, auch hier passiert bei Android gefühlt nichts. Gerade die Watch- Anbindung ist eins DER Features, was den Alltag richtig erleichtert, da muss eigentlich dringend was kommen. Seit kurzem gibt es zum Glück endlich die Option, den Eversense über xDrip+ auszulesen. Trotzdem muss hier meiner Meinung nach vom Hersteller was passieren.
Was auch immer mal nervt: Nicht alle meine Sensoren haben ihre maximale Laufzeit erreicht. Diese müssen dann vorzeitig gewechselt werden und die Organisation dieser Termine nervt mich. Telefonate mit Roche, die Bestellung eines neuen Sensors, wer muss diesen Bestellen, wann kommt er an. Telefonate mit meiner Praxis, wann ist ein Termin frei (denn der Eingriff mit Setzen und Entfernen der Sensoren dauert mindestens 1 Stunde, da ja auch die Betäubung wirken muss), ist der Sensor bereits da. Insgesamt kostet mich das jedes mal einiges an Nerven, auch wenn ich leider keine Idee habe, wie man das einfacher regeln könnte. (Doch, vllt könnte ein Arzt extra für den Wechsel zu mir nach Hause kommen, den Sensor mitbringen und das alles möglichst noch am selben Tag 😉 Okay, dass halte selbst ich für unrealistisch.)

Frage: Wie wird der Transmitter befestigt?
Antwort: Der Transmitter wird mit einem doppelseitigem Klebepflaster exakt über dem Sensor fixiert. Hierfür gibt es in der App eine Hilfestellung, nach wenigen Tagen benötige ich diese aber meist nicht mehr. Man erhält zu jedem neuen Sensor die Pflaster dazu, davon jeweils einen Anteil spezielle „Sportpflaster“.

Gut zu erkennen ist hier das Klebefeld für den Transmitter, welcher auf meinem Bild verschoben wurde.

Frage: Wie gut verträglich sind die Pflaster?
Antwort: Bis jetzt sind mir keine Hautreaktionen bekannt! Ich selbst habe allergisch auf das Libre reagiert und vertrage auch manche „normalen“ Wundpflaster und Fixomull nicht besonders gut, würde mich aber nicht als totales Sensibelchen beschreiben was das angeht (trotz leichter Neurodermitis). Die Pflaster haben einen Kleber auf Silikonbasis, kleben also deutlich schlechter als zb bei einem normalen Heftpflaster. Nach max. 48h muss ich sie wechseln, da sie sonst wirklich nicht mehr halten. Allerdings tausche ich meistens 1mal am Tag, wenn ich den Transmitter lade. Dadurch, dass der Kleber aber weniger stark halten muss, ist er auch deutlich weniger aggressiv als andere. Wer das gerne testen möchte, man kann bei der Hotline von Roche Probeexemplare bestellen.

Frage: Kann man mit dem System Duschen/ Schwimmen/ in die Sauna gehen?
Antwort: Ich musste mal schnell nach der offiziellen Aussage von Roche suchen 😉 Offiziell lautet diese: Der Transmitter ist bis maximal 30 Minuten und einer Wassertiefe von 1 Meter wasserdicht.
Für mich bedeutet das: Beim Duschen bleibt er dran, außer ich muss eh gerade den Akku laden. Beim Aquafitness im tiefen Wasser trage ich ihn ebenso, hier sind meine Arme ja auch deutlich weiter oben im Wasser, jedoch überschreite ich dabei das Zeitfenster von 30 Minuten doch deutlich. Bislang gab es aber absolut keine Probleme.
Mit Saunagängen habe ich gar keine Erfahrung, hier würde ich den Transmitter aber definitiv abnehmen und ihn danach einfach wieder aufkleben.
Zum Thema Schwimmen: Auch wenn beim Aquafitness zb mein Handy in der Umkleide bleibt, warnt mich der Transmitter vor Hypos oder Hypers. Er vibriert auf der Haut, auch ohne das Handy in der Nähe. Wirklich eine großartige Sache, so weiß ich zumindest, wenn ich meine Grenzwerte über-/ unterschreite!

To be continued….

Stellt mir gerne weitere Fragen, dann werde ich diese wieder aus meiner Sicht beantworten.

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