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Neulich beim Augenarzt…

Es ist November, Diabetes Monat, wie es momentan ja überall so schön beworben wird.

Ich hab mich bislang an wenig von dem ganzen Trubel beteiligt, meist reicht die Zeit nur für Postings auf Instagram.  Völlig kurzentschlossen habe ich jedoch gestern endlich mal die Nummer vom Augenarzt rausgesucht und einen Termin für die lange überfällige Kontrolluntersuchung vereinbart. Als Kassenpatientin bin ich es ja gewöhnt, lange auf Termine zu warten… diesmal war die Aussage: „Klar, mnorgen früh um neun!“. Ähm, was? Okay… bevor ich lange warten muss und wieder kneife, lieber zusagen.
Mit dem Chef abgeklärt, heute als erstes also zum Augenarzt.

Was soll ich sagen: Ich hasse Augenarzttermine. Bitte schreibt mir, wenn ihr andere Erfahrungen gemacht habt, aber meine bisherigen 7 oder 8 Augenärzte waren alle schrecklich unfreundliche oder unsympathische Menschen. Viele reagierten frech, wenn man seinen Befund erklärt haben wollte, einige gaben den Tipp, bei Typ 1 doch bitte mal abzunehmen, dann könnte ich mir „das mit dem Insulin“ auch sparen. Gut betreut, ernst genommen und als Kunde habe ich mich noch nie irgendwo gefühlt. Meistens bin ich die letzten Jahre immer völlig aufgelöst und weinend aus Praxen gestürzt nachdem man mir versichert hatte „wir gewöhnen sie schon noch an unsere Behandlungsmethoden“. Überflüssig zu erwähnen, weshalb ich bereits so viele Augenärzte durch habe.
Meistens habe ich einfach das Gefühl, sie fühlen sich extrem gestört davon, dass hinten am Auge noch ein Mensch dran hängt.

Tja, mit ähnlichen Erwartungen ging ich also auch heute zum Arzt. Diesmal allerdings fest entschlossen, mir ein unverschämtes Verhalten nicht bieten zu lassen. Dazu zu sagen: Ich war schon mal dort und die Erfahrungen waren mies. Da man hier auf dem Land aber nicht soviel Auswahl hat… naja ich dachte, es könnte ja diesmal anders sein. Oder ich bin einfach auch erwachsener geworden und hätte es mir letztes mal nur eingebildet.

Die Arzthelferinnen waren nett, Wartezeit kurz, kaum Patienten in der Praxis. Handynutzung im Wartezimmer aber strikt verboten. Warum, konnte keiner erklären. Ich liebe Regeln, die keine Begründung haben.
Gut, nach der zweiten Ladung Tropfen ist Facebook eh nicht mehr zu entziffern.
Durfte dann in den Behandlungsraum. Hinsetzen, warten.

Tür auf.
Doc:“Wie ist der Hba1c?“
Ich: „Guten Morgen. Der letzte war 6,9“.
Doc: „…jaja, Guten Morgen. Naja, das ist gut.“

Sowas treibt mich ja schon auf die Palme. Wie unhöflich! Man stürmt doch nicht einfach rein ohne sich überhaupt vorzustellen oder ähnliches!

Die Untersuchung war dann ja zum Glück wie immer kurz und schmerzlos. Retinopathie negativ, aber scheinbar habe ich eine beginnende Veränderung an der Linse. Ich müsste vermutlich vor meinem 60sten Geburtstag wegen Grauem Star operiert werden. Und tschüs!

Äh, moment mal?!
Auf Nachfragen wurde dann noch schnell genuschelt „Das ist normal.. kriegt jeder Diabetiker.. kriegen alte Leute sowieso.
Woran merke ich sowas?
„Wird ihnen der Augenarzt schon sagen wenns soweit ist“.

Und weg war er.

Toll, sowas liebe ich. Und die Ärzte wundern sich ernsthaft, weshalb jeder Patient google befragt.
Zu Graue Star sagt Google mir, das es tatsächlich gerade bei Typ 1ern eine stark erhöhte Chence gibt, dass Grauer Star früher als üblich auftritt. Standardmäßig kriegt das ab einem bestimmten Alter aber eh fast jeder.

Mich tröstet, dass in knapp 30 Jahren mein Augenarzt von heute vermutlich schon lange in Rente ist. Und selber Grauen Star hat. Hoffentlich trifft er dann auf Menschen, die sich mehr Zeit nehmen. Oder wenigstens Spaß an ihrem Job haben. „Augen auf bei der Berufswahl“ ist bei einem Augenarzt irgendwie ganz besonders zynisch.

Der nächste Termin ist in 12 Monaten, vllt finde ich bis dahin einen anderen Arzt. Aus Kommentaren unter meinem Instagram- Post schließe ich aber, dass nette Augenärzte leider die totale Ausnahme zu sein scheinen.
Wenn irgendwer das hier liest, und selber aus diesem Bereich kommt: Über Erklärungen zum Phänomen würde ich mich sehr freuen! Über Vorschläge zu netten Augenärzten im Bereich OWL übrigens auch!

Bis dahin bin ich einfach nur froh, dass bislang 21 Jahre Diabetes keine der bekannten Folgeerkrankungen bei mir ausgelöst haben.

Allerdings habe ich die Tropfen diesmal richtig schlecht vertragen. Nachdem ich mehrmals darauf hingewiesen wurde, die nächsten 2-3 Stunden nicht Auto zufahren, habe ich mich schon auf der Arbeit gemeldet, dass ich vermutlich heute nicht mehr kommen würde.
Das ich tatsächlich aber bis abends um 5 nicht richtig gucken konnte (Autofahren und lesen waren schlicht nicht möglich und meine Pupillen immer noch weit wie Untertassen), dass war mir neu. Durch das ständig schlechte sehen ging es mir im Ganzen nicht gut, Schwindel, Kopfschmerzen und Müdigkeit. Habe also den Tag im Bett verbracht. Erst vor ein paar Stunden wurde es jetzt besser, sodass Fernsehen und Leen wieder möglich waren. Man wird scheinbar einfach nicht jünger… denn so kannte ich das bislang nicht.

Ein Kommentar

  • Michaela

    Hallo und vielen Dank für den Bericht von deinem Augenarzt. Ich muss schon öfters zum Augenarzt, meist war es ein Art Notfall weil mir öfters die Hornhaut eingerissen war oder Dreck reingekommen war. Ich hatte den nettesten Augenarzt im Krankenhaus ohne eigene Praxis erlebt. Oft waren die netten Ärzte die, die nicht in Deutschland aufgewachsen waren. Vielleicht hängt es ja mit der muffeligen deutschen Art zusammen, die in allen Berufsschichten anzutreffen sind.

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