Diabetes Blog Woche

Diabetes- Blog- Woche Samstag – Tag X

Tag X – der Tag an dem der Diabetes kam

Der Tag Deiner Diagnose. An was erinnerst Du Dich? Was hast Du als erstes gedacht, was hast Du als erstes gemacht?




Der Tag meiner Diagnose… hm das ist keine besonders schöne, aber auch keine besonders klare Erinnerung.



„Juhu, in zwei Wochen sind Ostern! Endlich wieder Ferien! Jetzt wo ich in der zweiten Klasse bin, ist Schule auch schon ganz schön anstrengend geworden! So viele Hausaufgaben… 
Ich hab schon wieder Durst, schnell noch was trinken. Mama sagt, ich soll weniger trinken, dass müsste ich auch nicht so oft auf die Toilette und die Lehrer würden sich nicht immer beschweren. Aber ich hab wirklich Durst! Eben wollte Mama, dass ich in einen Becher Pipi mache, weiß nicht warum. Ich spiele lieber mal weiter mit meinen Barbies. Heute soll meine Lieblingsbarbie mit dem Farbwechselkleid mal die pinken Schuhe anhaben…

Oh, Mama ruft! Was ist denn jetzt los…?“


„Wie gemein! Wie schrecklich schrecklich gemein! Und wie böse! Meine Eltern haben gerade gesagt, dass ich NIE WIEDER Süßigkeiten essen darf! Das ist schlimmer als Hausaufgaben! Schlimmer als Schule und schlimmer als alles! Ich weine nur noch ganz verzweifelt in meinem Zimmer, hab die Tür zugeworfen und habe richtig richtig Angst.“


„Papa kommt und holt mich. Wir fahre zum Kinderarzt. Mama muss auf meine kleinen Geschwister aufpassen, meine Schwester ist doch gerade erst ein paar Monate alt. Alles ist so durcheinander, so ein Chaos. Die Kinderärztin sagt, ich muss ins Krankenhaus! Und alle sind so schrecklich ernst! Was ist denn los? Stimmt das mit den Süßigkeiten?“


„Ich will hier weg! Lasst mich los! Ich will nicht festgehalten werden und ich will auch keine Nadel! Ich werde von drei Krankenschwestern auf einer Liege festgehalten, ich versuche mich gegen die Nadeln zu wehren mit denen die mich pieksen wollen. Irgendwo hinter meinem Kopf stehen Mama und Papa. Jetzt kann ich Mama sehen, Mama weint! Das macht mir noch mehr Angst und ich schreie immer lauter und weine immer mehr. Irgendwann ist es vorbei, ich habe einen Verband an der Hand, darunter ist eine Nadel, dass weiß ich. Daran hängt ein Schlauch und ich muss von der Liege in ein Bett rutschen. Dann werde ich in ein Zimmer gefahren in dem ein andere Kind liegt, aber ein kleines. Der Junge sitzt in einem Gitterbettchen und hat einen Schlauch der an seinem Kopf klebt! Schrecklich! Ich will nach Hause!“

„Jetzt bin ich schon 2 Tage hier im Krankenhaus. Jede Stunde kommt eine Krankenschwester und piekst mich ins Ohr. Dann kommt da Blut raus. Manchmal kommt kein Blut, dann muss die Schwestern nochmal pieksen. Das mag ich nicht, aber es ist nicht so schlimm wie die Nadel in meiner Hand. Die tut immer weh! Und ich habe ein Gerät, da ist eine große Spritze drin mit einer Flüssigkeit. Das Gerät macht, dass die Flüssigkeit durch den Schlauch in meine Hand läuft. Und wenn die Spritze leer ist, dann macht das Gerät Alarm. Mama darf auf dem Bett neben mir schlafen, so wie die Mama von dem anderen Kind. Das andere Kind weint oft, dem tut irgendwas weh. Aufstehen darf ich nicht, ich muss auf ein Töpfchen gehen, was sie mir unter den Po schieben. Ich weiß nicht warum, mir geht es doch gar nicht schlecht! Ich bin doch gesund!“


„Heute passiert etwas neues. Ich darf aufstehen und sie machen den Schlauch und die Nadel ab. Ich spiele ein paar Minuten mit dem anderen Kind, ich werfe ihm seinen Ball zu und er wirft den Ball aus de Bett. Dann sammele ich ihn wieder ein und werfe zurück. 

Jetzt muss ich los, Mama und eine Krankenschwester fahren mit mir in einem Taxi. Wo geht es den jetzt hin? „Bad Oeynhausen“ sagt Mama. Das kenne ich nicht. Wir fahren schrecklich lange mit dem Taxi, fast eine ganze Stunde. Das ist wie in den Urlaub zu fahren.“


„Hier in Bad Oeynhausen ist es nett. Keine Nadel in meiner Hand und ich darf herumlaufen! Jetzt muss ich auch nicht mehr immer nur weinen. Hier tut keiner so, als wäre ich schrecklich krank. Ich habe mit Mama ein eigenes Zimmer und vor unserem Fenster landen die Hubschrauber. Mama sagt, die bringen ganz kranke Leute die am Herz krank sind.“


„Morgens und abends muss ich mit Mama zu den Schwestern. Dann kriege ich eine Spritze in den Oberschenkel. Heute soll ich das selber machen. Eigentlich ist mir das sogar lieber, als wenn jemand anderes das macht. Meistens tut es auch nicht soo weh. Nur das mischen ist noch ein bisschen schwierig, man muss immer erst das klare Insulin aufziehen, dann das trübe Fläschchen hin und her rollen, bloß nicht schütteln! Und dann das trübe Insulin in das klare ausziehen… oder war es anders herum ?!?“



„Spritzen kann ich jetzt schon ganz gut selber. Ich brauch immer noch lange, bis ich mich traue, aber es geht. Und mein Messgerät kann ich auch schon bedienen und ich habe „Schulung“ mit anderen Kindern. Diese „Schulung“ ist nicht wie Schule. Wir machen tolle Sachen, gehen Schwimmen und in den Freizeitpark. Und wir lernen alles übe Diabetes. So heißt meine Krankheit. Das kann ich auch Papa jetzt schon erzählen. Der kommt uns immer wieder besuchen, Mama und mich. Meine kleinen Geschwister dürfen die ganzen zwei Wochen bei Oma und Opa schlafen, ich bin ein bisschen eifersüchtig. Und Süßigkeiten darf ich tatsächlich nie mehr essen. Zucker ist für Diabetiker verboten. Aber es gibt Diabetiker- Süßigkeiten. Die sind okay. Und wir müssen alles abwiegen. Meine Mama hat schon extra eine Waage gekauft. Hauptsache ich kann morgen nach Hause, ich will wieder mit meinen Freundinnen spielen. Jetzt hab ich doch glatt die ganzen Ferien im Krankenhaus gelegen und Ostern ist auch schon vorbei. Aber der Diabetes geht nie mehr weg haben sie gesagt. Ich glaube, dass ist eine ganz schön lange Zeit.“ 



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